Das keltische Neujahrsfest Anfang November
Für die Kelten begann das Jahr nicht mit den ersten Knospen des Frühlings, sondern mit dem Einbruch des Winters – mit der Nacht, der Stille und der Dunkelheit. Sie sahen darin keinen Widerspruch, sondern den natürlichen Lauf des Lebens: Alles Neue entsteht im Verborgenen, im warmen Schoß der Erde – so wie sich auch ein Kind im Bauch der Mutter entwickelt. Dort, wo es dunkel und still ist, wird das Kommende in die Welt geträumt, bis es eines Tages sichtbar hervortritt.
Die Bedeutung von Samhain – Fest des Übergangs und des Lebens
Der Name Samhain stammt aus dem Altirischen und bedeutet so viel wie „Versammlung“ oder „Freude“. Es war ein keltisches Neujahrsfest, ein Moment des Übergangs zwischen dem alten und dem neuen Zyklus. Samhain war kein trauriges Totengedenken – im Gegenteil: Unsere Vorfahren feierten Anfang November ein freudiges Ahnenfest, bei dem das Vergangene geehrt und das Neue willkommen geheißen wurde.
Dieses Fest erinnert an den mexikanischen Día de los Muertos, der rund um den 2. November gefeiert wird. Dort ehren die Menschen ihre Verstorbenen mit bunten Altären, Musik und fröhlichen Feiern – nicht im Schatten des Todes, sondern im Licht der Verbundenheit.
Leben, Tod und Neubeginn – die Energie von Samhain
Auch bei Samhain stand die Lebensfreude im Mittelpunkt: Musik, Tanz, gutes Essen und das Zusammensein mit den Lebenden und den Toten. Es war die Zeit, in der sich die Grenzen zwischen den Welten öffneten – und in der man das Dunkel nicht fürchtete, sondern als Quelle allen Neubeginns ehrte.
Die Ahnen galten als weise Begleiter, die mit Rat und Schutz zur Seite standen. Der Begriff der Ahnen umfasste dabei weit mehr als nur die familiäre Linie: Auch jene, die viel für die Gemeinschaft getan hatten, sowie Naturwesen – die Geister der Bäume, Felsen und Quellen – wurden als Ahnen verehrt.
Es war auch eine Zeit der Reinigung, in der alte Schulden beglichen und bestehende Streitigkeiten beigelegt wurden.

Der Kreislauf des Lebens – Nichts vergeht wirklich
Auch wenn draußen die Blätter fallen und sich die Natur zurückzieht, bleibt doch die Gewissheit: Nichts vergeht wirklich. Alles wandelt nur seine Gestalt. So wie die Bäume bereits die Knospen des kommenden Jahres tragen, wussten auch unsere Ahnen, dass der Tod kein Ende, sondern ein Übergang ist – Teil eines großen, zyklischen Geschehens.
Impulse und Fragen zu Samhain
Wenn du die Zeit rund um Samhain als Zeit des Innehaltens nutzen möchtest, können dir diese Fragen helfen, dich mit deiner Ahnenlinie und deiner inneren Kraft zu verbinden:
- Wem meiner Ahnen möchte ich danken?
- Welche Qualitäten meiner Vorfahren kann ich in mir erkennen und lebendig werden lassen?
- Welche Erfahrungen meiner Ahnen wirken bis heute in mir nach?
- Zu wem in meiner Ahnenlinie spüre ich eine besondere Verbundenheit?
- Wer stärkt mir den Rücken?
- Was habe ich meinen Nachkommen zu geben?
- Was möchte ich nicht weiter mitnehmen auf meinem Weg?
- Gibt es jemanden, mit dem ich mich versöhnen möchte?
- Wo darf ich jetzt mutig sein und loslassen, was nicht mehr trägt?
Samhain erinnert uns daran:
Aus der Dunkelheit erwächst das Neue.
In der Stille liegt die Kraft des Neubeginns.
Kategorien:Allgemein