Ein Granatapfel soll es gewesen sein, den Eva und Adam im Paradies vernascht haben.
Ich kann es bei den wundervollen, prall-roten Früchten verstehen. Wie sie in Andalusien überall so verführerisch an den Bäumen (Punica granatum) hängen und ein wirklich verlockendes Bild abgeben.
Die sommergrünen Bäume werden zwischen drei und fünf Meter hoch und vertragen Hitze ausgezeichnet. Sie können weit über hundert Jahre alt werden.
Leidenschaft aus und für den Granatapfel
Der Granatapfel gilt seit jeher als Sinnbild von Liebe, Fruchtbarkeit und Leben. In Mythen, Religion und Kunst verbindet er sinnliche Leidenschaft mit göttlicher Reinheit und Unsterblichkeit. Seine leuchtende Frucht steht für die Kraft des Lebens selbst – irdisch und zugleich himmlisch. Kein Wunder also, dass er der Liebesgöttin Aphrodite geweiht ist.

In Griechenland und der Türkei gibt es bis heute den Hochzeitsbrauch, einen Granatapfel mit voller Kraft auf den Boden zu werfen, damit er aufplatzt. Je mehr Samen sich dabei verstreuen, desto glücklicher und fruchtbarer soll die frisch geschlossene Ehe werden. Bräute tragen einen Kranz aus blühenden Granatapfelzweigen – denn auch die leuchtend rot-orangen Blüten sind ein Fest für die Augen.

Diese Bräuche stammen aus dem Orient, der ursprünglichen Heimat des Granatapfelbaums.
Doch auch in der christlichen Tradition spielt er eine bedeutende Rolle: Als Symbol für die Auferstehung und spirituelle Fülle erscheint er in vielen Mariendarstellungen – etwa bei Sandro Botticelli 1487 in seiner Madonna della Melagrana („Madonna mit dem Granatapfel“). Die vielen roten Kerne, Sinnbild des vergossenen Blutes Jesu, sollen zeigen, dass sein Opfer umfassend genug war, um die gesamte Menschheit zu erlösen.
In der jüdischen Religion gilt der Granatapfel als Symbol der Rechtschaffenheit, im Buddhismus zählt er zu den gesegneten Früchten, und im Koran steht er für die von Gott geschaffenen „guten Dinge“.
Der Granatapfel vermag etwas, was uns Menschen kaum gelingt:
Er verbindet Kulturen und Religionen durch ein gemeinsames Symbol.

Heilkraft
Bereits in der Antike war die Heilwirkung des Granatapfels bekannt, und in der mittelalterlichen Alchemie galt er als lebensverlängernde Frucht. Bei den alten Chinesen symbolisierte der rötliche Saft die „konzentrierte Seele“ und versprach Langlebigkeit.
Granatapfel gilt heute als gesundes Superfood – und tatsächlich gibt es wissenschaftliche Hinweise, dass er antioxidative und entzündungshemmende Effekte haben kann. Studien zeigen z. B., dass Granatapfelprodukte den Blutdruck, Entzündungsmarker oder bestimmte Blutfettwerte leicht verbessern können.
Allerdings sind die Belege bislang nicht stark genug, um von einer Heilwirkung bei Krankheiten zu sprechen. Viele Studien sind klein, kurz oder untersuchen Extrakte statt der ganzen Frucht – die Effekte im Alltag bleiben oft moderat.
Von fertigen Nahrungsergänzungsmitteln sollte man sowieso die Finger lassen. Untersuchungen zeigen, dass der Granatapfelanteil darin für eine spürbare Wirkung meist viel zu gering ist. Wer sich also etwas Gutes tun will, greift lieber direkt zu den frischen Samen der Frucht. Sie schmecken köstlich – und wenn sie dabei auch noch zu einem langen Leben beitragen, umso besser!



Die älteste Kübelpflanze der Welt
Die wohl älteste Kübelpflanze der Welt ist eine besondere Auslese eines Granatapfelbaums mit gefüllten Blüten. Er kam 1653 aus dem warmen Venedig in das kühle Hannover-Herrenhausen. Doch es geht ihm gut. In den herrschaftlichen Gärten wird er dort seit nunmehr über 350 Jahren im Pflanzgefäß kultiviert. Zwar sieht man dem Baum mit seinem knorrigen Stamm sein Alter an, er trägt aber bis heute Blätter und Blüten. Etwa alle fünf Jahre wird er aus seinem Kübel gehoben und mit frischer Erde versorgt. Im Sommer können wir ihn in der Orangerie in Herrenhausen bewundern. Auf Früchte wartet man jedoch vergeblich, da die gefüllten Blüten steril sind (siehe Link unten).
Namensgeber
Der Granatapfel soll Namensgeber der Stadt Granada sein. Das Stadtwappen ziert ein Granatapfel, und selbst Hydranten, Straßenpoller und Hinweisschilder tragen seine Form. Doch am schönsten sind natürlich die echten Granatapfelbäume – auf Plätzen, in Gärten, an den Straßen – sozusagen an jeder Ecke.



Die wenigsten wissen, dass das berühmte Meissener Zwiebelmuster gar keine Zwiebeln zum Vorbild hatte. Nach chinesischem Ursprung zeigt es die „drei gesegneten Früchte“ Pfirsich, Granatapfel und Zitrone. Zitrone und Granatapfel wurden dann in Meissen zur „Zwiebel“ verschmolzen.
Weniger rühmlich wurde die Frucht zum Namensgeber für die Granate – jene mit unzähligen Pulverkörnern gefüllte Wurfkugel.
Doch lieber schließe ich meinen Bericht mit einem weiteren Blick auf Spanien, wo auch im Landeswappen die köstliche Frucht als Sinnbild des ehemaligen Königreichs Granada einen Platz bekommen hat.

Ich verliebte mich in Andalusien in diese charmanten Bäume, deren rote Früchtetupfen im stets hellen Grün ihrer Blätter überall aufleuchteten.


Bildnachweis: alle Bilder sind von mir, außer der Blüte: sie ist von PublicDomainPictures/pixabay, danke.
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