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Echt? … Jetzt!


Was ist heute noch „echt“?

Neulich las ich einen schönen Newsletter über Naturthemen – erst später erfuhr ich, dass er von einer externen Agentur verfasst wurde. Und ich fragte mich: Waren die Autor:innen überhaupt einmal draußen unterwegs oder saßen sie einfach im Büro? Vermutlich schreiben sie genauso gut über andere Branchen.

Und wie sieht es mit Blogartikeln, Social-Media-Posts – ja, sogar Kommentaren – aus? Vieles entsteht inzwischen in Sekundenschnelle, verfasst von Künstlicher Intelligenz. (Nein, dieser Text hier nicht 😊)

Bilder lassen sich schon lange bearbeiten: „störende“ Menschen oder Müll werden beseitigt, zurück bleibt die einsame, natürliche, scheinbar perfekte Landschaft. Heute geht es noch weiter: Ganze Bilder werden auf Knopfdruck generiert. Wozu also noch auf den spektakulären Sonnenuntergang warten, wenn doch die KI die glutrote Sonne, die im Meer versinkt, malen kann.

Ich war dabei … die Sonne und der Vogel auch – alles echt 😊

Doch was ist da eigentlich noch „echt“?

Handgeschriebene Briefe

In meinem letzten Bildungsurlaub sollten die Teilnehmenden am letzten Tag einen Brief mit der Hand verfassen – direkt am Mainufer in Offenbach. Ich hatte alles dabei: Briefpapier, Stifte, Umschläge, Briefmarken und sogar Schreibunterlagen, damit es auch auf Parkbänken oder der Wiese funktionierte.

Ich war gespannt, wie meine Teilnehmer:innen diese Aufgabe annehmen würden – und wurde nicht enttäuscht! Alle fingen sofort an zu schreiben – an Kinder, Mütter, Partner, Großeltern. Manche sogar an sich selbst. Ich war berührt vom Anblick der Schreibenden.

Bedenken hatte ich nur wegen der Radfahrer:innen, die vorbeifuhren und ein „echtes“ Bild sahen, was es so auf dem Uferweg noch nicht gab. Sie drehten sich erstaunt um, und ich hoffte, dass sie nicht das Gleichgewicht verlieren würden.

Die Briefmarken sorgten dafür, dass wir alle (auch ich) unsere Briefe gleich im nächsten Briefkasten einwarfen – da gab es kein Zurück mehr. Die Botschaften machten sich auf den Weg.


Und die waren „echt“. Mit Hand geschrieben, ohne Löschtaste, Worte blieben auf dem Papier. Auch keine Emojis – Gefühle wurden  aus tiefstem Herzen beschrieben und bekamen damit eine ganz andere Wertung – eben echt.

Die Idee kam mir, weil unser Bildungsurlaub Goethe gewidmet war. Er soll in seinem Leben über 12.000 Briefe geschrieben haben – alle mit der Hand. Erst im hohen Alter diktierte er einige.


Online verbunden

Doch es gibt auch die „echte“ Begegnung über Fernen hinweg im digitalen Bereich. Gerade erst sprach ich in einem Online-Meeting mit Silvana Candreia. Sie hoch oben in den Schweizer Bergen – ich hier unten im Taunus. Wir lieben beide „unsere“ Berge, wir lieben die Natur und den Wald. Und sofort waren wir mitten in einem vertrauten Gespräch – so nah und authentisch, als säßen wir bei einer Tasse Tee plaudernd beieinander.

Über viele Kilometer hinweg spüren wir unsere Verbindung, unsere gegenseitige Wertschätzung.

Und ich bin sicher, das hörst du auch in unserer Podcast-Folge über das Waldbaden und mehr.

Hör‘ doch mal hier rein: Podcast: Waldbaden: die-Erlaubnis-zur-Langsamkeit

Auch das ist echt – und es tut einfach gut in einer Welt, in der man oft fragen muss: Ist das, was mir begegnet, wirklich echt?


Echte Verbindungen

Wenn du merkst – eine Verbindung ist echt (man könnte auch sagen ehrlich), dann pflege sie. Bleibe selbst auch echt (ehrlich) in deiner Kommunikation.

Bewahre und schütze diese Verbindung.

Dann können dir „unechte“ Begegnungen nichts anhaben. Sei einfach achtsam und frage dich: Kann das stimmen? – Dieses Bild? Dieser Blog-Beitrag? Diese Aussage? Wer steht dahinter?

Ich wünsche dir, dass du immer wieder „echte Verbindungen“ erlebst.



Und ich freue mich, wenn du deine Erfahrungen – so oder so – mit mir/uns teilst.

Deine Annette


Ein echter Naturmensch – die liebe Silvana – mit einer wundervollen Website: Silvana Candreia

Ihr Naturmensch – Podcast und Online-Magazin: crappa e plema – Magazin


4 replies »

  1. Liebe Annette, du hast wieder einmal so recht. Ich vermisse die Zeit der echten Briefe. Wir sind alle so faul und technikabhängig geworden. So unecht. Danke für den Anstoß.

    Liebe Grüße

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    • Liebe Kerstin,

      ja, das geht mir aber auch so. Deshalb immer wieder einmal ganz bewusst ein paar Zeilen an liebe Menschen schreiben. Das macht beim Empfänger, bei der Empfängerin so viel Freude. Und nicht nur zu Weihnachten – sondern einfach mal „nur so“, zwischendurch.

      Liebe Grüße von Annette

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      • Oh weh… ich stelle fest, ich hab von Vielen nicht einmal die Adresse. Alles geht über Email oder Chatnachrichten. Eine traurige Erkenntnis. Liebe Grüße Kerstin

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  2. Liebe Kerstin, da hast du recht – es geht halt auch schneller. Mich machen manchmal die vielen Kommunikationswege, die es heute gibt, verrückt, und ich habe immer Angst, ich vergesse jemandem zu antworten. Gar nicht so einfach, sich der „neuen Zeit“ anzupassen … 😦

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