Wenn Kinder draußen sind, gibt es für sie immer etwas zu entdecken. Der Wald wird zum Zauberwald, der Bach zum Wildwasser und der Kieselstein zum Schatz. Sie spielen nicht, um zu spielen – sie leben einfach spielend.
Manchmal sitzen wir Erwachsene daneben und sind überrascht, vielleicht sogar ein bisschen neidisch, wie ihnen das immer wieder aufs Neue gelingt.
Doch viel zu oft sind wir in Gedanken ganz woanders, wir schauen auf die Uhr, starren aufs Handy und drängen zum Weitergehen. Dabei wäre genau jetzt der Moment, sich anstecken zu lassen – und wieder einmal zu spielen. Nicht nur als Eltern oder Großeltern, sondern ganz grundsätzlich als Mensch.
„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“
Friedrich Schiller
Schiller meinte damit nicht kindisches Herumtollen, sondern das freie, zwecklose, schöpferische Tun, bei dem wir ganz im Moment aufgehen. Er wusste um die Ganzheitlichkeit des Menschen, der nicht nur ein körperliches, sondern auch ein geistiges und seelisches Wesen ist. Schiller machte sich viele Gedanken um die damalige Menschheit, die von neuartigen Maschinen und einer damit einhergehenden Mechanisierung in immer mehr Lebensgebieten stark betroffen war.
Spielen heißt Ausprobiern, erforschen, staunen.
Spielen, das heißt: ausprobieren, erforschen, staunen. Eigenschaften, die wir oft mit der Kindheit verbinden – und dabei vergessen, dass sie noch in uns schlummern. Sie warten nur darauf, wieder geweckt zu werden.
Selbst in der Freizeit, wenn wir beispielsweise zum Wandern aufbrechen, geht es um Leistung. Wir haben ein Ziel vor Augen, einen Gipfel, eine Hütte, eine bestimmte Strecke an Kilometern. Doch was wäre, wenn wir unterwegs einfach mal einen Abstecher zum Felsen nehmen würden, weil er gerade so einladend aussieht? Oder einen Umweg durch das feuchte Gras, nur um barfuß zu spüren, wie es sich anfühlt?
Wenn wir uns erlauben, „vom Weg abzukommen“, wird jeder Ausflug zum Spiel.
Das Schöne beim Eintauchen in die Natur ist, dass wir keinem vorgegebenen Plan folgen müssen. Draußen darf alles im eigenen Tempo ablaufen – und wer sich die Zeit nimmt, einfach mal stehenzubleiben, entdeckt diese grenzenlose Freiheit, die nichts erreichen muss. Vielleicht ist das sogar der große Reiz des spielerischen Wanderns und Draußen-Seins: dass es uns zeigt, wieder zweckfrei unterwegs zu sein. Wir müssen nicht unbedingt irgendwo ankommen.
Wir können dort, wo wir sind, ganz sein.
Selbst die Wissenschaft bestätigt heute, was wir längst fühlen. Nämlich, dass wir viele unserer geistigen und sozialen Fähigkeiten durch das Spiel entwickeln – in einer unbeschwerten und lockeren Atmosphäre, wie sie im Alltag nur selten vorkommt.
Der Abenteuerspielplatz Natur kennt keine Altersbeschränkung. Wer sich dort zum Spielen verführen lässt, ist dem Menschsein näher als sonst irgendwo.
Draußen einfach spielen – mit und ohne Kinder:
Fangen, verstecken, Hütten bauen, Staudämme anlegen, Weitsprung-Challenge, „Ich sehe etwas, was du nicht siehst“, mit Lupen unterwegs, Geräuschen auf der Spur, auf Felsen klettern, Tierspuren suchen, Schattenfiguren an Bäume „zeichnen“, Tiere und Monster im Totholz entdecken, Wald-Memory spielen, mit Naturfarben malen, barfuß nur mit den Füßen ein „Kunstwerk“ gestalten, durch ein Loch im Blatt die Welt angucken, heruntergefallene Blätter nach Farbe sortieren usw. usw .

Dir fallen draußen sicher noch unendlich viele Möglichkeiten ein, wie du einfach mal wieder spielerisch die Natur im Außen und die innere Natur in dir drinnen entdecken kannst.
Manchmal entsteht einfach ein Spiel, wenn du dich treiben lässt, nicht nachdenkst, dein „inneres Kind“ freilässt . . .
„Zwischen Lachen und Spielen werden die Seelen gesund.„
Aus Arabien
Viel Freude in der Natur,
deine Annette
Teile aus meiner Kolumne für das Wanderlust-Magazin 6/2025
Kategorien:Absichtslosigkeit, Allgemein, Gesundheit, Spielen; inneres Kind;