Allgemein

Chongqing (China) und der Wald

Forest health and forest recreation in Chongqing

Chongqing – das „Doppelte Glück“ – liegt am Yangzi (auch Jangtsekiang oder Jangtse) dem drittlängsten Fluss der Welt. Hier beginnt die Reise durch die „Drei Schluchten“ auf dem Yangzi zum Drei-Schluchten-Staudamm. Davon hat man wohl schon einmal gehört.

 

Von Chongqing wahrscheinlich weniger.

Wald in Chongqing?

Ich habe bei Google Bilder „Chongqing“ eingegeben, es erscheinen Hochhäuser und eine beeindruckende Skyline. Aber keine Natur – hier Waldbaden??

Es dauert sage und schreibe bis Bild Nr. 135 bis ich zumindest eine Reisterrasse erblicke. Immerhin grün, auch wenn Reisterrassen ja Kulturlandschaften sind.

Doch dann kommen wieder Häuser, Häfen, Hotels …

Naturlandschaften und besonders Wald, so bekomme ich den Eindruck, spielen hier keine große Rolle.

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Chongqing (pixabay)

Nun durfte ich am Montag, dem 15.Oktober 2018 die andere Seite von Chongqing kennenlernen. Und diese andere Seite ist so großartig und schön, dass ich euch davon natürlich berichten möchte.

Chongqing ist auf einem guten Weg in seiner Heimat „forest recreation“ und damit auch das Waldbaden für seine Bewohner, aber auch für Touristen zu entdecken.

Die chinesische Delegation, insbesondere Fachleute aus der Forstwirtschaft, wollte ihre Waldbaden-Projekte vorstellen und von „Deutschland, das in Europa führend ist auf dem Gebiet des Waldbadens“ lernen bzw. zumindest Kontakte knüpfen. Weiterhin war ihnen natürlich wichtig, Deutschland davon zu überzeugen, welche erfolgversprechenden Anstrengungen sie derzeit in Chongqing unternehmen, um die Walderholung für alle erlebbar zu machen und welche Möglichkeiten auch für deutsche Investoren oder Reiseveranstalter darin bestehen.

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Von links: Außenwirtschaftschef LI Huiqian, Frau Annette Bernjus, DelLeiter SHEN Xiaozhong, Frau CUI Li und Dr. Borchmann

Tourismus und Gesundheit

Der Tourismus ist die eine wichtige Seite – die andere ist der gesundheitliche Aspekt. Hier könnten sich die chinesischen Forstexperten durchaus auch ausländisches Interesse zum Beispiel an „Waldkuren“ vorstellen. Doch es geht ihnen besonders auch um die Menschen von Chongqing.

Chongqing ist eine Millionenstadt, die es so kein zweites Mal auf der Welt gibt. Der Stadtkern selbst hat derzeit über 6 Millionen Einwohner. Nimmt man jedoch die Vororte und den engeren Ballungsraum dazu, so kommt man auf über 30 Millionen Menschen auf einer Fläche so groß wie Österreich.

Im Sommer wird es hier richtig heiß – die Stadt gehört zu den „Glutöfen Chinas“. Da können leicht bis 40 ° C oder mehr zusammenkommen. Durch die rege Bautätigkeit und die fortschreitende Entwicklung der Region ist natürlich die Luftverschmutzung ein Thema. So ist es nur logisch und sinnvoll, wenn die Bevölkerung zumindest ihre Freizeit in den riesigen Wäldern des Ballungsraums verbringt – immerhin sind 45 % des Gebietes von Chongqing mit Wald bedeckt.

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Chongqing, auch bekannt als Die Bergstadt (pixabay)

Die chinesische Delegation erwähnte auch, dass fast 20 % der Bevölkerung über 60 Jahre ist und für sie die Erholung im Wald eine besondere Bedeutung haben soll.

Daneben sind den Forstexperten die Kinder wichtig, die in der Natur unter anderem die Möglichkeiten bekommen, ihre Ferien zu verbringen und die Natur vielfältig zu erfahren.

Dass es ausreichend Natur und Wald gibt, haben wir bei den diversen Präsentationen mit anschaulichen Bildern gesehen.

Chongqing

Päsentation in Frankfurt

Vier Projekte wurden näher vorgestellt, die sich vielversprechend anhören.

Man erwägt, dort Ferienhäuser und Lernräume und eventuell Therapiezentren zu errichten. Die Infrastruktur wird mit Eisenbahnen und Straßen bereits vorangetrieben, denn sowohl Einheimische als auch Touristen sollen möglichst einfach und schnell die Feriendörfer erreichen, von wo aus sie die Natur genießen können.

Angebote in Taijiquan, Yoga, Meditation sind vorgesehen, aber auch Klettern oder Kanufahren für diejenigen, die es etwas abenteuerlicher wünschen. Außerdem Exkursionen, bei denen Alt und Jung in den Wald eintauchen.

Wandern ist eigentlich nicht so das Ding der chinesischen Bevölkerung, jedoch gibt es nun schon Wanderwege und es sollen insgesamt über 1.000 Kilometer werden, damit die Schönheiten des Landes auf ausgeschilderten Wegen erlaufen werden können.

Wer gerne Daten und Zahlen mag:

Die durchschnittliche Walddichte Chongqings beträgt 45,4 % (teilweise in den Naturparks bis 98 %),

bis heute:

85 Waldparks, 21 Naturreservate, 26 Feuchtgebiete als Parks

Bis 2020

1000 Kilometer Wanderpfade („Jungle Trails“), 30 ausgezeichnete Feuchtgebiete und 90 Waldparks.

Mit der Bahn nach Chongqing

Wer übrigens gerne umweltverträglich nach Chongqing fahren möchte, kann das auch mit der Bahn ab Duisburg – derzeit allerdings noch auf einem Güterzug über die Trans Eurasia Route. Es dauert 12  bis 16 Tage – ist damit jedoch viel schneller als mit dem Schiff (ca. 40 Tage). Derzeit fahren ca. 25 Züge in der Woche zwischen Duisburg und Chongqing.

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https://www.tagesschau.de/wirtschaft/seidenstrasse-107.html

 

Fazit:

China hat den Umweltschutz entdeckt und in den Medien liest und hört man zunehmend „China macht mit Umweltschutz Ernst“.

Das ist gut so. Es gibt einige hochinteressante Projekte derzeit in China. U.a. werden in China z.B. jährlich so viel Wald aufgeforstet wie in Brasilien gefällt werden. Bis ca. 2020 will China rund 25 Prozent seiner Fläche bewaldet haben. Zurzeit liegt der Anteil bei ca. 22 Prozent. 2005 waren es nur 18 Prozent (in Chongqing sind es bereits ja 45 %).

Walbaden in China – ja das klingt erst einmal unglaublich. Jedoch auch hier macht China Ernst. Die Delegation aus Chongqing betonte, dass hinter den Projekten auch ihr Staatschef Xi Jinping stehe.

China Wald

Damit sind die Chinesen sogar schon ein bisschen weiter mit dem Gedanken „Gesundheit und Erholung aus dem Wald“ als wir in Deutschland. Wer Waldbaden hier anbietet muss immer damit rechnen, dass Forstämter, Grünflächenämter, Naturparkverwaltungen diese Sache kritisch sehen und sogar verbieten. Unsere politische Führung hat das Waldbaden, denke ich, sowieso noch nicht entdeckt und die Krankenkassen fühlen sich noch nicht davon angesprochen.

Gar viele belächeln das Waldbaden und sehen es in einer Esoterikecke, wo es ihrer Meinung nach auch bleiben sollte.

Da könnten wir wohl viel mehr von China lernen als umgekehrt.

Ich bin auf die Entwicklungen sehr gespannt, werde die Einladung nach China gerne auch annehmen und muss sagen, dass allein die Begegnung mit den offenen, fröhlichen und so fortschrittlich handelnden Forstexperten aus China absolut ein Highlight der besonderen Art für mich war.

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Dafür mein herzlicher Dank an Frau CUI Li, die Leiterin des Verbandes „China-Tourismus in Europa“, die das Treffen für die chinesische Delegation organisiert und auch mich dazu eingeladen hatte.

Zum Weiterlesen:

Chongqing – Nicht nur Megacity, sondern auch sehr viel Natur

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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