"Waldbaden: klein und fein"

Reisen mit dem Wind

Du kennst das sicher: du hörst etwas, siehst etwas – und es lässt dich nicht mehr los. Es fasziniert dich. Du möchtest es haben oder machen . . .

. . . und gerade so ging es mir mit dem „Reisen mit dem Wind“.

Im Frühjahr traf ich auf Harald Ganswindt in Bad Iburg. Er wollte eine Reportage über das Waldbaden für den Deutschlandfunk machen (am 1. April 2018: „Mit allen Sinnen durchs Gehölz“)  und begleitete meine Ausbildungsgruppe und mich in den nahen Wald. Später zogen wir beide noch zu zweit los und ich beantwortete gerne alle Fragen rund ums Waldbaden.

Harald Ganswindt (wie passend doch der Name…) – ein Windnomade

Doch im Hinterkopf hatte auch ich meine Fragen an Harald. Natürlich hatte ich vorher ein bisschen gelesen, wer denn da kommen sollte – und hatte auch gelesen, dass Harald ein Windnomade ist. Ich studierte seine Blog-Beiträge und war sehr begeistert. So weit auseinander waren unsere Leidenschaften nicht – das Waldbaden und das Windreisen.

Das musste ich unbedingt genauer wissen.

Und so kehrte sich schließlich das Interview um und ich stellte die Fragen 😊

Einfach mal loslassen

„Einfach mal alles loslassen, sich aufmachen ins Freiheitsgefühl und mit geöffneten Sinnen achtsam die Wunder dieser Welt entdecken. Darum geht es beim ¨Reisen mit dem Wind¨. Schon seit vielen Jahren ziehe ich auf diese selbst entwickelte ungewöhnliche Art übers Land.“ So beschreibt Harald das Reisen mit dem Wind.

Wow, wie toll – man macht sich also auf einen Weg, den einem der Wind vorgibt ohne genau zu wissen, was man am Ziel erwarten wird. Und wenn man in mehreren Etappen (auch Tage z.B.) unterwegs ist, weiß man auch nicht, wo es einem hinweht. Harald hat die Methode entwickelt, bei der er mithilfe eines Windmessgerätes und Seifenblasen das Reiseziel ermittelt. Lage und Entfernung ergeben sich aus der aktuellen Windgeschwindigkeit und Windrichtung.

Harald: „Grundsätzlich begegne ich allem in meinem Bestimmungsgebiet mit Methoden der Achtsamkeit: Mit dem Geist des Anfängers setze ich meine Sinne ein, ohne das, was mir begegnet, zu bewerten. Ich bemühe mich, dem Ort und seinen Bewohnern – Pflanzen, Tiere, Menschen – so nahe zu kommen, wie es mir möglich ist, möchte ihnen gerecht werden, ihnen wirklich begegnen.“

Seit der ersten Begegnung mit Harald, dem Windnomaden, möchte ich auch mit dem Wind ziehen, Freiheit genießen, mich treiben lassen – einfach so.

Meine erste Windwanderung am Melibokusblick

Nun heute endlich ist es soweit – ich probiere meine Mini-Windreise aus. Allerdings ohne Windmessgerät und ohne Bestimmung des Zielgebietes. Ich mache es einfach ein bisschen anders. Quasi ohne Technik.

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Der Melibokusblick – hier soll unser Startpunkt sein

Ich werde am Melibokusblick (das ist zwischen Lorsbach und Langenhain im Taunus) starten, denn er liegt auf der Höhe und dort werden sich die Seifenblasen sicher einen schönen Weg suchen. Dann habe ich mir vorgenommen immer 10 Minuten in die Richtung zu laufen, in die die Seifenblasen wehen – also in die auch der Wind weht. Nach 10 Minuten gibt es eine neue Seifenblasen-Richtungs-Bestimmung. Und dann nochmal nach 10 Minuten. Dann bin ich also in 30 Minuten an „meinem heutigen „Windziel“ angekommen. So jedenfalls mein Plan . . .

Start am Melibokusblick

Beim Melibokusblick ist der Name Programm – zumindest bei klarer Sicht (also heute nicht).  Dann kann man von hier bis in den Odenwald blicken und erkennt gut den 517 Meter hohen Berg bei Zwingenberg und damit den höchsten Berg an der südhessischen Bergstraße.

Dreht man sich um, sieht man auf der anderen Seite den Großen Feldberg, man hat hier also eine Blickachse vom Taunus bis in den Odenwald.

Meine „Ausrüstung“ besteht heute aus einem Fläschchen Seifenblasenlösung, einer Uhr, einem Kugelschreiber und einem Heft (vielleicht möchte ich am Zielort ja etwas schreiben . . .).

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Eine Uhr (wegen der 10 Minuten), Seifenblasenlösung zur Bestimmung unserer Richtung und Schreibzeug – heute in meinem Rucksack

Funny, unser Podengo begleitet mich natürlich – und wundert sich, als ich an dem Rastplatz anfange, bunte Seifenblasen in die Luft pusten zu lassen (ja, ich muss gar nicht selbst pusten, denn heute weht ein schöner Wind, und der bläst aus dem rundem Halter bunte Seifenblasen heraus).

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So wird also unsere Richtung bestimmt – wie weht der Wind – wo werden wir landen?

Die Richtung ist schnell klar – dort ist allerdings eine Pferdekoppel, sodass wir die Richtung, in die wir nun laufen sollten, etwas korrigieren müssen. Ich bin froh, dass uns der Wind in den Wald schickt, denn es ist wieder ordentlich heiß geworden. Auch Funny findet es im Wald angenehmer als auf dem freien Feld.

 

Im Wald, am Ende der Pferdekoppel, packe ich meine Seifenblasenlösung nochmals aus (auch wenn noch keine 10 Minuten herum sind), um nochmals die Richtung zu bestimmen. Aber alles passt bestens. Funny und ich müssen nun querfeldein durch den Wald.

Nach 10 Minuten kommen wir an einen schönen Platz, wie gemacht zum Rasten und Waldbaden. Es ist jedoch nur unsere erste Zwischenstation. Ich hole wieder das Seifenblasen-Röhrchen heraus und bestimme die Windrichtung. Das macht inzwischen richtig Spaß.

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Unsere erste Zwischenstation nach 10 Minuten – auch schön zum Rasten, aber . . .

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. . . ich messe, wohin es weitergeht.

Wir laufen weiter – ja, bis zu einem undurchdringlichen Gebüsch. Es ist unmöglich hier durchzukommen. Und die Machete habe ich zu Hause gelassen. Müsste wohl künftig auch in den Rucksack 😊.

Nun müssen wir also die vorgegebene Richtung verlassen, wir gehen am Gebüsch entlang und kommen recht schnell auf einen Weg – dort messe ich die Windrichtung erneut. Funny und ich haben Glück, denn es geht nun ein Stück auf dem Weg entlang.

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Am Wegesrand

Nach 10 Minuten das gleiche Spiel (ihr wisst ja jetzt auch schon, was ich mache). Erstaunlich, der Wind kommt nun fast von vorne, sodass wir umdrehen müssen. Vielleicht liegt das auch an der kleinen Schlucht hier, die den Wind in eine andere Richtung lenkt.

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Wenn Funny reden könnte . . . was würde sie wohl zum Windreisen sagen?

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Zeig uns den Weg, du kleine, bunte Seifenblase . . .

Unser Windziel

Nach weiteren 10 Minuten kommen wir an unserem heutigen Windziel an.

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Funny freut sich über Wasser und Matsch

 

Ich freue mich – hier war ich schon länger nicht mehr. Es ist das Quellgebiet zweier kleinen Bäche, die die Krebsmühlenwiesen im Tal speisen. Hier ist tatsächlich noch Wasser und Matsch, in dem Funny sich schwarze Pfoten holt. Wer hätte das gedacht, Schlammpfoten bei dieser Trockenheit.

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Schlammpfoten – bei dieser Trockenheit, wer hätte das gedacht

Besonders schön, dass hier auch alles am Boden noch sehr grün ist. Und der Farn steht gut da. An anderen Orten im Wald liegt er flach auf dem Boden. Das Wasser spendet auch uns etwas Frische. Ich setze mich auf einen umgefallenen Baumstamm und Funny macht es sich nach ihrem Pfotenbad neben mir gemütlich.

Kein Laut weit und breit stört unsere kleine Idylle. Ich schaue mich um – glücklich, dass mich der Wind heute hierhergebracht hat. Ich nehme den frischen Duft der Waldkräuter wahr, spüre die angenehme Wärme der Sonnenstrahlen, die vereinzelt durch die Blätter der Bäume auf mein Gesicht fallen, rieche am trockenen Laub, aber auch am nassen Schlamm, und lasse ihn durch meine Finger quatschen (herrlich, das muss ich auch mit den Fußzehen gleich mal probieren . . . ).

Das ist es nun, was Harald meint, wenn er sagt Mit dem Geist des Anfängers setze ich meine Sinne ein, ohne das, was mir begegnet, zu bewerten.“

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Rasten ist prima

Ja, ich kenne den Platz, aber ich weiß nicht, wann ich hier zum letzten Mal gesessen habe und einfach die Seele habe baumeln lassen – keine Ahnung, das muss eine gefühlte Ewigkeit her sein. Und so fällt es mir nicht schwer, den Platz wahrzunehmen, als ob ich hier noch nie gewesen wäre – Anfängergeist eben.

Windwandern, Windreisen – ja, daran könnte ich dauerhaft Gefallen finden.

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Der Weg zurück ist auch Genuss – und ich brauche keine Seifenblasen

Da ich mich hier auskenne, nehmen wir einen anderen Weg zurück zum Melibokusblick.

Mein Fazit

Das war eine abwechslungsreiche Wanderung mit Waldbaden am Windziel. Wir wussten nicht, wo uns der Wind hin verschlagen würde. Es hätte auch ein ganz anderes Wald- oder Wiesenstück sein können. Dass wir an die Quellen kamen, war besonders erfreulich und für mich ein wundervolles Windziel.

Es war ja nur eine halbe Stunde „Windwandern“ – und ich kenne mich in dem Waldgebiet gut aus.

Nach dieser ersten Erfahrung mit dem Windreisen, und wenn man es so macht wie ich heute, dann sollte man das Gebiet wirklich gut kennen. Denn natürlich können Hindernisse auftauchen. Bei uns war es nur einmal das Gebüsch, aber es könnte ja auch eine Schlucht, ein Felsen, ein Abhang sein. Da ist es gut, wenn man weiß, wie man dieses Hindernis umrunden kann. Und am Ende ist es auch gut, wenn man weiß, wie man von seinem Windziel wieder zum Ausgangspunkt kommt.

Natürlich könnte man sich mit gutem Kartenmaterial ausstatten (das hatte ich heute nicht dabei).

Ich denke, dass dies eine tolle Erfahrung mit Kindern zusammen ist. Nicht dorthin laufen, wo die Eltern hinwollen, sondern der Wind.

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Wieder am Melibokusblick

Ich werde das sicher wieder einmal machen, so wie heute – nur mit Seifenblasen. Aber ich denke mit der Bestimmung eines Zieles mit dem Windmessgerät werde ich es auch ausprobieren.

Harald hat dazu übrigens einen Audio-Guide erstellt, damit es zum Nachmachen einfach wird.

Danke an dich, Harald für die Entwicklung der Idee und dass du sie mit uns teilst.

Eure Annette – heute mal Wind-Wald-Baden

 

Zum Weiterlesen:

Harald Ganswindt: Windnomade – Reisen mit dem Wind

Waldbaden mit dem Windnomaden

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