"Waldbaden: klein und fein"

Hoher Meißner – der mystische Berg

Der Hohe Meißner – gelegen inmitten Deutschlands – ist ein ganz besondere Berg, mystisch mutet er an. Als „Holleland“ ist er bekannt. Holleland bedeutet, dass hier Frau Holle gewirkt haben soll. So gibt es den verwunschenen Frau-Holle-Teich oder auch ein Holle-Labyrinth.

Frau Holle als die Mutter der Erde

(oder wie man sie noch nennt: Freya, Frigga, Hulda, Diana, Perchta…)

Der Teich ist der Eingang zu Frau Holles unterirdischem Reich. Einerseits kennen wir das Märchen von der Goldmarie und der Pechmarie … aber Frau Holle soll eine vorchristliche Muttergottheit gewesen sein. So konnte sie Naturgewalten beherrschen und soll über Werden und Vergehen entschieden haben. Die neugeborenen Kinder kommen aus dem Frau-Holle-Teich – deshalb, wenn eine Frau sich sehnlichst ein Kind wünscht, kann sie es auch mit einem Bad im Holleteich versuchen …

In den kalten Raunächten holt Frau Holle mit der „Wilden Jagd“ die Seelen der Verstorbenen in die Tiefen des Wassers – und so vereint sie wieder das Werden und Vergehen.

Frau Holle ist hier sehr aktiv, man sieht es immer, wenn der Nebel am Holleteich aufsteigt – dann kocht sie nämlich oder wäscht ihre Wäsche …

Angeblich ist der grüne Teich unendlich tief, jedoch unten angekommen hat man Eintritt in das herrliche Reich von Frau Holle mit prachtvollem Garten mit Blumen, Obst und Gemüse. Gemessen hat man mal 2,60 Meter und zu einer anderen Zeit 9 Meter … ich glaube ja eher an die unendliche Tiefe

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Der Frau-Holle-Teich

Dass wir das wissen, haben wir den Brüdern Grimm zu verdanken, die von Kassel aus wohl öfters den Hohen Meißner besuchten und dann all diese Geschichten aufschrieben.

Eine schöne Gegend hatten sie sich da auf alle Fälle ausgesucht. Mich hat der Hohe Meißner mit seinen dichten Wäldern, aber auch weiten Aussichten ebenfalls direkt verzaubert – und hier besonders dieser See. Wenn ich hier hochkomme, dann führt mich mein erster Weg immer zuerst zu Frau Holles Reich. Vielleicht hat sie magische Kräfte über mich.

Hanna Wallbraun erzählt in ihrem Buch (siehe „Der besondere Buchtipp“), dass eine Freundin von ihr am Holleteich einen Mann indianischer Abstammung getroffen habe. Er wunderte sich, dass wir zu den Inka-Stätten oder nach Stonehenge reisen würden, wo wir doch hier am Frau-Holle-Teich einen Kraftort hätten, der sich allemal mit den genannten vergleichen ließe.

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Traumhafte Aussichten von der Kalbe

Wald auf dem Hohen Meißner

Heute ist der Hohe Meißner waldreich und lädt mit seinen vielen Ruhebänken oder großen Steinbrocken und Fernblicken zum Innehalten ein. Dabei war es nicht immer so. Die Salzsieder von Bad Sooden-Allendorf bezogen vom Meißner ihre Energie und rodeten die Kuppe komplett. Mitte des 16. Jahrhunderts gab es nur noch eine große Wiesen- und Weidefläche. Auch heute gibt es noch viele Bergwiesen. Jedoch wurde im 19. Jahrhundert mit Fichten wieder aufgeforstet. Vom Ost- bis zum Südhang findet man jedoch sehenswerte Laubwälder. Und da die Hänge aufgrund ihres felsigen Untergrundes schwer zu bewirtschaften sind, blieben sie recht ursprünglich erhalten.

Ganz bewusst wurde auch ein etwa 50 ha großer Bannwald „angelegt, das heißt, dass auf dieser Fläche keine Bewirtschaftung mehr stattfindet. Das Besondere ist, dass genau nebendran ein etwa 50 ha großer bewirtschafteter Forst anschließt. Man will untersuchen, wie sich der Wald mit und ohne Forstwirtschaft entwickelt.

Bergbau

Auch unterirdisch wurde der Berg ausgebeutet: seit 1560 gab es hier Braunkohlebergbau – bis 1929 nur untertage.

Später wurde am Kalbesee, die Kohle auch über Tage abgebaut. Ein unvorstellbarer 150 Meter dicker Basaltpanzer musste dafür entfernt werden. 1970 wurde der Bergbau endgültig eingestellt, jedoch hat er bis heute seine Spuren hinterlassen. Rund um Kalbe und dem Schwalbenthal besteht Erdrutschgefahr. Und Lastwagen dürfen die Straße über den Berg nicht benutzen.

Waldbaden auf dem Hohen Meißner

Wandern ist am und über den Hohen Meißner eine beliebte Tätigkeit … doch seit letztem Jahr, als ich hier einen Bildungsurlaub über das Waldbaden angeboten habe, auch das Waldbaden.

Es gibt so unendlich viel zu entdecken, wenn wir langsam und mit offenen Sinnen durch den Meißner Wald schlendern. Rauschende wilde Bäche kühlen unsere Hände und Füße. Und wenn wir genug Kühle aufgenommen haben, können wir auf den warmen Lichtungen wieder Sonne tanken.

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Unbedingt solltest du das Holle-Labyrinth in der Nähe des Frau-Holle-Teiches besuchen. Es ist ein sieben-gängiges Gras-Ur-Labyrinth und steht für unseren Lebensweg. Die Verbundenheit mit der Natur kann hier ganz besonders wahrgenommen werden.

Die Initiatorinnen Susanne Jacob und Tamara Tschoepe schreiben dazu: „Es lädt ein zum achtsamen Gehen, zum Meditieren und Sinnieren, zum Innehalten und zur Umkehr. In den matriarchalen Gesellschaften der Jungsteinzeit, in den keltisch-germanischen Kulturen der Bronze- und Eisenzeit war es ein ritueller Tanzplatz zur Verehrung der Großen Göttin und zur Feier besonderer Lebensstationen in ihrer Tradition. Die Große Göttin Mitteleuropas heißt Holle: ihr zu Ehren trägt das Labyrinth auf ihrem Kultberg ihren Namen.“

Goettin-holle.de/Das-Holle-Labyrinth

Vom Holle-Teich aus führt ein gut zu begehender Bergpfad über den Eulenstieg auf die Kalbe und zum Kalbesee.

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Auf zum Eulenstieg

Eine ganz andere Atmosphäre empfängt dich hier. Der Wald wird ausgesprochen licht und der Blick in den tiefen See, der aus dem Bergbau entstanden ist, löst bei dem einen Bewunderung aus, bei dem anderen eher Beklemmung. Irgendwo dazwischen finde ich mich.

Der Kalbesee ist bis zu 31 Meter tief und der Zutritt zum See nicht nur nicht erwünscht, sondern auch gefährlich. Der See ist entstanden, als die Pumpen des Tagebaus abgestellt wurden. Schwarze Partikel im See könnten insbesondere beim Tauchen lebensgefährlich die Sicht versperren. Ehrlich gesagt, lädt mich dieser See auch nicht zum Baden ein. Lieber beobachte ich hier die Vögel – für Wanderfalken sind die steilen Wände des Kalbesees ein Paradies zum Brüten.

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Der Kalbesee

 

Hier befindet sich auch die Stinksteinwand – wie bezeichnend! Denn die unterirdisch seit Jahrhunderten brennende Kohle sorgt für den markanten aufsteigenden – und giftigen – Schwefelduft. Tatsächlich sollen die „stinkenden Steine“ schon um 1600 erwähnt worden sein – und seit dieser Zeit brennt hier die Baunkohle!

Der Meißner – ein löchriger Käse?

Die Stollen im Meißner sind wie die „Löcher im Schweizer Käse“. Und immer wieder kommt es zu größeren unterirdischen Bränden. 2011 war das Gebiet um die Kalbe wegen der giftigen Dämpfe sogar für Wanderer gesperrt.

Akuter ist jedoch die Gefahr, dass der Meißner rutscht. Die Erdbewegungen lassend den Basalt über der brennende Kohle brechen und es entstehen große Hohlräume. Das Gasthaus Schwalbenthal wurde schon geschlossen, da der Berg gegen die tragenden Wände drückt.

Als Grund für die ungewöhnlich starke Bewegung des Berges haben Gutachter u.a. der TU Darmstadt eine Vielzahl von Ursachen ausgemacht – darunter die Folgen des jahrhundertelangen Bergbaus, die Geologie des Meißners und den Anstieg des Wasserspiegels im Kalbesee.

Neuerdings war die Straße zum Frau-Holle-Teich ebenfalls gesperrt. Dort war im Februar 2017 ein Stück Böschung abgegangen. Damit diese nicht komplett abrutscht, muss sie durch eine Spritzbetonwand abgesichert werden – und war erst im Frühjahr 2018 wieder befahrbar.

 

Ob Frau Holle Rat weiß, wie es mit dem Berg weitergehen soll?

Oder hat sie sogar ihre Hände im Spiel, weil sie ihre Ruhe haben will. Und nur noch Wanderer und Waldbadende könnten dann den Märchenberg besuchen – das wäre vielleicht die Lösung.

Jugenddorf Hoher Meißner

Eine Unterkunft mitten im Wald ist das Jugenddorf Hoher Meißner, wo man auch als Einzelperson und Erwachsener wohnen kann.

Am Jugenddorf geht der 1,5 Kilometer lange Barfußpfad los mit 30 Fußerlebnis- und Naturerfahrungsstationen. Empfehlenswert: Schuhe ausziehen und loslaufen. Am Ende die Matschtreppe umschmeichelt die Füße besonders angenehm 😊.

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Die Matschtreppe des Barfußpfades

Am Hohen Meißner – und erst recht, wenn man hier seine Unterkunft hat, ist ein ganzer Tag, oder eine ganze Woche …  waldbaden ganz einfach möglich. Tür auf und du stehst im Wald.

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