"Waldbaden: klein und fein"

Waldbaden im Hotelpark des Saratz

Manchmal ist ein Wald nicht in der Nähe, manchmal möchte man auch nur „mal eben schnell“ ein Waldbad in der Mittagspause nehmen – oder wie hier: manchmal ist ein Park so traumhaft, dass man darin unbedingt baden muss 🙂

Was braucht es für ein entspannendes Wald-Park-Bad?

Natürlich sollte der Park Bäume haben. Und nach Möglichkeit einige ruhige Ecken, damit das Meditieren einfach geht. Vielleicht ein paar schöne Plätze, die man von außen nicht so gut einsehen kann. Das alles hat der Hotelpark vom Saratz – und mehr.

Der Waldpark des Hotel Saratz in Pontresina

Ich wurde zur Spa-Leitertagung der Private Selection Hotels, zu dem das Saratz gehört, eingeladen. Passt Spa und Waldbaden zusammen? Das wollten die Spa-LeiterInnen gerne wissen. Einen Tag vor meinem Referat und Praxis-Workshop am 19. Juni 2018 erkunde ich den Park.

Unglaubliche 35.000 Quadratmeter ist er groß und hat einen alten Baumbestand von dickstämmigen Lärchen, hohen Kiefern und jungen Vogelbeeren. Dazwischen findet man lichte Wiesen, jetzt im Sommer mit vielen bunten Sommerblumen.

Der beeindruckende Park ist vom Hotel kommend abschüssig bis ganz hinunter zum Fluss Flaz. Der Flaz beginnt genau unterhalb des Parkes beim Zusammenfluss von Bernina- und Rosegbach und mündet bei Samedan in den Inn.

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So verändert sich das Klima im Park spürbar. Während einem oben direkt beim Hotel die Wärme auch hier in 1.800 Meter Höhe sanft umgibt, wird es hinabsteigend immer frischer und der brausende Fluss schickt einem eine kühle, angenehme Brise ins Gesicht.

Beim Waldbaden bummelnd nach unten schlendernd, kann ich mit jedem Meter die Veränderung gut spüren. Doch bevor ich ganz nach unten steige, bleibe ich auf der grasbedeckten Sonnenterrasse stehen. Mein Blick geht in die Ferne bis zum Roseggletscher und ich lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Ich schließe die Augen und schicke mir ein inneres Lächeln – das fällt mir hier nicht schwer.

Diese Ebene eignet sich jedoch auch hervorragend für Taijiquan und ich weihe sie dementspechend mit der Pekingform ein – ab sofort heißt sie bei mir „Taiji-Wiese“. Einen Tag später werde ich mit den Spa-LeiterInnen hier Qigong machen – sie werden es an diesem Ort lieben.

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Weiter steige ich nach unten und die Kühle kommt angenehm Schritt für Schritt. Immer wieder gibt es Plätze zum Hinsetzen. Das tue ich ausgiebig. Augen schließen und dem Rauschen des Flusses lauschen. Höre ich noch andere Töne? Der Fluss tobt laut. Doch da zwitschern auch noch Vögel und im Gebüsch summt und brummt es. Man muss genau hinhören 🙂

Waldbaden mit den Spa-LeiterInnen der Private Selection Hotels

Ich weiß schon jetzt, dass ich hier am kommenden Morgen ein wunderbares Waldbad mit den Spa-LeiterInnen machen kann. Am Fluss angekommen lasse ich meinen Blick schweifen – wo kommt er her … hier sehe ich die Vereinigung von Bernina- und Rosegbach. Wo führt er hin … er wird zum Flaz und fließt etwas gemächlicher weiter nach Samedan, wo er dann wieder seinen Namen lassen muss.

Durch einen kleinen Nadelwald – der Weg wird ganz weich und die Luft würzig – gehe ich schräg nach oben. Ich erreiche eine spektakuläre Schlucht über die eine alte Steinbrücke führt. Später lese ich, dass diese ursprünglich den Namen „Pontem Sarasinam“, später „Ponte Saracino“ trug. Im Laufe der Zeit bildete sich daraus der heutige romanische Name Puntraschigna bzw. Pontresina.

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Damit gelten die Familien Saratz als die eigentlichen Gründer von Pontresina. Ihre Wurzeln sollen auf die Sarazenen zurückgehen, ein arabisches Volk, das bereits 932 n. Chr. aus dem Raum Nordafrika über Spanien in die Alpen gelangte und sich im Engadin niederließ.

Ich nehme auf der Bank Platz und lasse meine Gedanken durch die Jahrhunderte ziehen – wieviele Menschen haben diesen außergewöhnlichen Ort schon vor mir genossen? Was haben sie den Bäumen anvertraut oder dem reißenden Fluss? Konnten sie Schweres einfach dem Wasser mitgeben und waren sie hinterher erleichtert? Es war (und ist vielleicht?) gewiss auch ein nettes Plätzchen, um die ersten (und weiteren) Küsse auszutauschen.

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Es wird Zeit … morgen komme ich wieder.

Ein Gesamtkunstwerk

Der Park ist ein einmaliges Gesamtkunstwerk – mit wilden naturbelassenen Flecken, mit berauschenden Ausblicken, mit ruhigen Rastplätzen – jedoch auch angelegten Kräutergärten, Teichen und Kunstobjekten. Auch an die Kinder wurde gedacht mit Spielflächen und Rutschbahn mitten durch die Bäume.

Dass schon Gian Saratz, der Begründer des Hotels (1865), ein begnadeter Naturforscher war, kann ich mir an allen Ecken hier vorstellen – gut gemacht – und visionär gedacht.

Am nächsten Tag werden die Spa-LeiterInnen hier spüren, was es heißt im Wald zu baden. Ich freue mich darauf. Bin jedoch auch ein bisschen gespannt, wie sie sich auf das Baden, das sie ja anders in ihren Spas gewohnt sind, einlassen werden.

Dass Spa und Waldbaden zusammenpasst ist mir klar – denn schon Dr. Qing Li empfiehlt nach dem Waldbaden ein warmes Wannenbad zu Hause zu nehmen … hier könnte man das warme Bad entweder im beheizten Außenpool nehmen, im Hallenbad bei 32 ° oder im ganz besonderen Sarazenenbad – ganz nach Belieben.

Und immer hat man den Blick auf den grünen Hotelpark und den weißen Gletscher – und kann in Gedanken nochmal im Wald baden.

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Wer dabei nicht vollkommen gelassen wird … Nein, ich beende den Satz nicht, denn ich kann es mir nicht vorstellen.

Waldbaden im Park vor der Haustür

Und was macht man nun, wenn man nicht gerade in der Schweiz weilt?

Versuche es doch einfach mal in deinem Park um die Ecke. Er muss auch gar nicht so groß sein. Suche dir einen schönen Baum, lehne dich an, schließe die Augen und träume dich einfach mal weg aus dem Alltag. Mache das in deiner Mittagspause oder beim Einkauf, immer einmal zwischendurch, wenn du in der Stadt unterwegs bist.

Wenn du die Augen offen hälst, kannst du kleine Natur-Auszeiten überall finden.

 

Zum Weiterlesen:

 

1 reply »

  1. Das ist ja das reine Paradies, kein Wunder das dies auch den Sarazenen schon gefiel. Auf der Wiese würde ich auch gerne Qigong machen. Wünsche euch viel Qi des Himmels und verwurzelung mit der Erde. In diesem Waldpark geht das bestimmt wie von selbst.Das Wasser hat eine unglaublich anziehende Farbe. Wenn ich morgen Qigong am See mache , werde ich an euch denken.

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