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Warum in die Ferne schweifen? … oder

. . . Warum es seit März 2019 auf Mallorca die beiden ersten „Kursleiterinnen für Waldbaden“ gibt.

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November auf Mallorca – Blick vom Santuari de Sant Salvador

Es ist November und ich bin also wieder zurück auf dieser Insel, die leider oft nur auf ihre Strände reduziert wird. Mallorca hat so viel mehr zu bieten und ich kann nur empfehlen, sich auf die Socken zu machen, um diese Insel zu Fuß zu erkunden.

Nun aber mal von Anfang an, warum ich nun im November überhaupt hier bin und in der Natur bade (und nicht im Meer). Das ist nämlich nun eine kleine Liebeserklärung an das stille Hinterland von Felanitx.

Und die beginnt im März diesen Jahres ….

Ja, warum in die Ferne schweifen … in diesem Fall auf die Sonneninsel Mallorca.

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Die Weite der Finca Es Fangar

Der Grund für mich war ganz einfach eine Einladung von der größten auf Mallorca bewirtschafteten Finca Es Fangar, dort eine Waldbaden-Ausbildung anzubieten. Nach den ersten persönlichen Kontakten und meiner Internet-Recherche (denn natürlich schaue ich, wer mich, zu was einlädt) war mir klar: ja, da möchte ich hin. Schnell stellte ich nämlich schon zu Hause fest, dass Es Fangar eine ganz besondere Finca ist. Sie wechselte um die Jahrtausendwende ihre Eigentümer. Nun gehörte sie einem deutschen Ehepaar, das – so las ich – die Finca Es Fangar nach und nach in eine Biofinca umwandelte, dort Wein anbaute und ein sehr erfolgreiches Gestüt mit wertvollen Pferden führte. Die Bilder, die ich im Internet sah, waren einfach umwerfend – kaum konnte ich es erwarten, dieses kleine Naturparadies und die Menschen dahinter kennenzulernen.

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Gestüt Es Fangar

Und ich sagte zu, noch im Frühjahr zu kommen.

So ging es also am 1. März 2019 gemeinsam mit meinem Mann nach Mallorca (das wir bisher noch nie besucht hatten). Der Strand und das Meer interessierten uns natürlich nicht besonders.

Es Fangar liegt im Süd-Osten der Insel, die nächste größere Stadt ist Felanitx, von Palma in knapp einer Stunde erreicht. Die Vorfreude stieg mit jedem zurückgelegten Kilometer und auf der Fahrt saugte ich schon einmal die ersten Eindrücke Mallorcas auf, eine hügelige Gegend, im Hintergrund auch höhere Berge.

Und dann ging es, nachdem mein Mann und ich unsere Ferienwohnung auf Es Fangar bezogen hatten, auch gleich mit der ersten Ausbildungseinheit los.

Natürlich waren die Erwartungen meiner Auftraggeber und die Rahmenbedingungen hier etwas anders als bei mir zu Hause. Das Gebiet von Es Fangar bietet unendlich viele verschiedene Waldbaden-Plätze. Und da es Privatwald ist, braucht man hier schon einmal keine forstrechtlichen Genehmigungen einzuholen. Die „Kunden“ sollen in erster Linie Gäste der Finca und Urlauber der Insel sein – ein buntgemischtes Publikum aus vielen verschiedenen Nationen. Jedoch auch Einheimische möchte man von der Idee der „Achtsamkeit im und für den Wald“ begeistern.

 

 

Ich erzählte ein bisschen von mir, vom Waldbaden und vom Shinrin Yoku in Japan. Und dann machten wir die „Outdoor-Termine“ für die nächsten Tage fest. Schon unser erstes Zusammensein war eine freundliche Begegnung, die Lust auf mehr machte.

Wie ich mich darauf freute, die Natur, den Wald, die Tiere …

ja einfach alles kennenzulernen.

In den folgenden Tagen waren wir also vor allem draußen.

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Es brauchte kaum viel, hier wundervolle Waldbaden-Plätze zu finden, an denen man wirklich alle Sinne ansprechen konnte.

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Vorweg diese unbeschreiblichen Düfte – der Aleppo-Kiefern, des wilden Thymians und nun im Frühjahr des gelb leuchtenden Stechginsters. Der natürlich auch gleich noch den Sehsinn erfreute.

Dieses leichte Rauschen des Meeres in der Ferne, das sich mit dem Rauschen des Windes durch die Bäume mischte, sodass man es gar nicht mehr genau unterscheiden konnte – ist in den Wäldern der Finca ein ganz typisches Hintergrundgeräusch. Doch dann waren da auch ganz in der Nähe die Schreie oder Pfiffe der Vögel, das Knacken der Bäume, das Summen der kleinen Insekten und für mich ganz überraschend das Meckern der wilden Ziegen – die braunen, so habe ich gelernt, sind geschützt und dürfen nicht gejagt werden. Auf Es Fangar werden sie das auch nicht.

Kennt ihr den Geschmack des Fruchtfleisches der Schoten des Johannisbrotbaums?

Ich kenne es jetzt – es ist leicht süßlich – und ich weiß nun auch, dass man die Kerne der Schoten nicht essen kann, da sie extrem hart sind. Sie wurden früher zum Abwiegen genutzt, da alle Kerne relativ gleich viel wiegen (circa 0,18 Gramm). Auch der Begriff Karat (die Johannisbrotbaumschote wird auch Karube genannt) kommt von den Kernen der Johannisbrotbaumes – ein Karat sind genau 0,2 Gramm.

Der Johannisbrotbaum gehört zu der Familie der Hülsenfrüchtler und das aus den Kernen gewonnene Johannisbrotkernmehl soll sich unter anderem positiv auf den Cholesterinspiegel auswirken.

 

Während ich also das Fruchtfleisch der fast violetten, leicht gebogenen Schote vor mich hin knabberte, erfuhr ich auch, wie wertvoll der Johannisbrotbaum für die Natur hier ist. Da er besonders hitze- und trockenbeständig ist, wächst er auch ohne Bewässerung und schützt den Boden vor Erosion, Wind und Sonne. Und damit ist er der ideale Baum für den biologischen Anbau. Die große Ernte beginnt im September – 100 Tonnen werden jedes Jahr auf Es Fangar geerntet.

Der Johannisbrotbaum ist der perfekte Waldbaden-Baum:

Sein Duft ist schon mal sehr betörend.  Dem Geschmackssinn kann man ein besonderes Erlebnis bieten – sogar ganzjährig, denn die Schoten können, ohne an Geschmack zu verlieren, ein ganzes Jahr am Baum hängen. Und so findet man immer mal wieder (auch jetzt im März) eine zum Vernaschen. Obendrein fühlt sich die leicht rissige Borke des Baumes zwar rau, aber auch angenehm warm an. Und es ist ein Vergnügen, sich unter so einen Baum zu setzen und eine Extraportion Terpene einzuatmen. Da er immergrün ist, bietet er Menschen und Tieren ganzjährig Schatten.

Ein weiterer Baum, der hier gut gedeiht, ist der Feigenbaum.

Ich bekam erzählt, dass die Besucher, wenn sie zu dieser Zeit auf die Finca kommen, immer ganz erschrocken sind, da sie meinten, dass alle Feigenbäume kaputt sind.

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Aber nein, die Feigenbäume verlieren wie bei uns die Laubbäume ihre Blätter und im März stehen sie noch ziemlich kahl zwischen all dem spießenden Grün. Noch dazu sind ihre Stämme oft knorrig, verdreht und verwundet. Aber alles ist gut: bald werden die Bäume ausschlagen. Sage und schreibe 50 verschiedene Feigenarten gedeihen auf Es Fangar. Mich sprachen die Bäume auch so wie sie dastanden – kahl und fast schroff – sehr an. An vielen entdeckten wir in der aufgesprungen Borke unzählige kleine bewohnte Schneckenhäuser – da konnten wir viel staunen. Was genau es ausmacht, dass sich die Schnecken diese geschützten Orte aussuchen, konnte ich allerdings noch nicht ergründen.

Natürlich darf der Olivenbaum nicht fehlen.

Olivenbäume besiedeln natürlich die ganze Insel und viele davon sind über 250 bis 450 Jahre alt. Mit der Zeit werden sehr bizarre Gestalten aus den Überlebenskünstlern. Einen ganz besonderen von diesen wundervollen Exemplaren durfte ich kennenlernen. Wir stiegen einen Berg hinauf – und allein das war schon traumhaft schön.

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Doch dann zwischen den hohen Pinien erschien ganz unvermittelt dieser prachtvolle Baum. Ehrfurcht – kein anderes Wort ist passender – was mich beim Anblick dieses alten Gesellen ergriff.

Wir näherten uns ihm nur auf ein paar Metern – irgendwie mochten wir ihn in seiner Erhabenheit nicht näher stören. Über 400 Jahre steht er da auf seinem Platz.

Und wir standen ihm gegenüber. Ohne Worte. Schweigend. Einfach nur so.

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Ehrfurcht vor diesem alten Olivenbaum

Ich bin noch heute sehr dankbar für diesen Augenblick.

Besonders beeindruckend fand ich hier auch die Baumgemeinschaft als solches, denn rund um den Olivenbaum stehen viel höhere Pinien. Aber sie haben einen Kreis um den Olivenbaum gelassen und so kann er genügend Sonne aufnehmen, die er für sein Leben braucht. Manche Äste schienen schon abgestorben zu sein – dafür kam an anderen ganz fein das erste Grün hervor und kleine Ableger fanden wir rund um den Alten schon sprießen. Ja, das Leben des Olivenbaums geht hier weiter.

Irgendwann mussten wir dann doch Abschied nehmen. Wir überlegten noch, wie wir diesen Baum in das Waldbaden auf Es Fangar einbinden könnten, denn wir dachten schon, dass auch andere Menschen hier ehrfürchtig stehen oder sitzen sollten. In einem waren wir uns schnell klar: wer hierherkommt, soll das schweigend tun.

Es gibt in niedriges Steinmäuerchen mit einem kleinen Durchgang kurz bevor man den Olivenbaum erreicht – dieses wird von uns zum „Tor in eine andächtige Welt“ ernannt. Und wir sind uns sicher, dass Besucher, die hier auf den Berg gekraxelt sind, um den Olivenbaum zu bestaunen, es ganz sicher wie auch ich heute als ein besonderes Geschenk verstehen werden, bei dem man sowieso nur als stiller Betrachter verweilen kann.

Beim Zurückschlendern hatten wir einen traumhaften Blick über die Finca – wer hier steht und auf das Grün blickt, wo vorher nur die kahle Erde zum Vorschein kam, weiß, wieviel Mühe, aber auch Liebe die jetzigen Eigentümer in dieses Land schon gesteckt haben.

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Der Blick auf die Finca Es Fangar, einfach unbeschreiblich schön. Dass dort nun alles grün ist, hat die Finca dem unermüdlichen Einsatz ihrer jetzigen Besitzer zu verdanken. Und ihrer besonderen Geduld und Kenntnis von nachhaltigem Wirtschaften.

Zur Finca gehört auch ein 400 ha großes Naturschutzgebiet, das schließlich ebenfalls noch für das Waldbaden auf Es Fangar genutzt werden soll. Eigentlich sind alle Gebiete, die wir schon erwanderten für mich so etwas wie „Naturschutzgebiete“, denn außer wilden Ziegen und anderen Tieren sind uns kaum Menschen begegnet, haben wir keine anderen Geräusche als „Waldgeräusche“ gehört und haben einfach nur wilde Natur erlebt. Aber nun geht es am letzten Tag nochmals in das besonders gekennzeichnete „reserva natural“.

Hier führen auch ausgewiesene öffentliche Wanderwege durch das Gebiet, was für Mallorca nicht unbedingt selbstverständlich ist. Immerhin 98 % des Waldes sind Privatbesitz – da endet ein Weg auch mal an einem Schild mit der Aufschrift „coto de caza privado” – privates Jagdrevier. Und dann ist da kein Durchkommen mehr.

Zum Abschluss des Tages zeigte mir die Mutter der Besitzerin, die uns ebenfalls auf manche Waldbaden-Exkursion begleitet hat, noch den historischen Gemüsegarten, den „Huerto“.

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Der historische Garten – einfach unglaublich, was hier alles wächst und gedeiht

Sie kümmert sich liebevoll um den riesigen Garten und packt auch noch selbst tatkräftig mit an. Die Schulkinder, die den Garten hin und wieder besuchen,  lernen hier eine Menge über Gemüsesorten, Kräuter und Früchte und wofür man sie verwenden kann.

Ich habe die Arbeit, die hier gemacht wird –  von Menschen, die die Natur lieben, jeden einzelnen Baum, jedes Kraut und das einfach Leben – sehr schätzen gelernt.

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Weiden, Oliven-, Feigen-, Mandel- und Johannisbrotbäume und natürlich Wald, das ist Es Fangar

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Ökologischer Weinanbau

Die Zeit ging rum wie nichts und ich verliebte mich Hals über Kopf in diese Insel. Wahrscheinlich ahnt ihr das schon nach diesem Bericht. Natürlich sind meine Gastgeber zu einem großen Teil daran „schuld“, die mir die Natur geduldig erklärten. Es sind aber natürlich auch diese ungewöhnlich intensiven Düfte, diese kraftvollen und widerstandsfähigen Bäume, die undurchdringlichen Wälder, und die herrlichen Aussichten, wenn man erst mal oben angekommen ist.

Ich wünsche dem Waldbaden auf Es Fangar den Erfolg, den es verdient hat mit den beiden frisch gebackenen Kursleiterinnen für Waldbaden – und ja, ich komme nach hierher zurück und wandere noch mehr durch die Gegend. Ich möchte den Duft wieder schnuppern, ganz klar 😊

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Es Fangar Forest Bathing Experience – Experiencia de Biofilia – Waldbade Erlebnis … Ja, es geht los mit Waldbaden auf Es Fangar, wie mich das freut 🙂

Für alle, die nicht genug bekommen können von den Impressionen, hier noch eine kleine Auswahl:

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Hotel Aumallia – unsere Gastgeber im November, unbedingt empfehlenswert

The Generation Forest (Anpflanzung Generationenwald)

Primaklima (wenn schon fliegen…)

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