"Waldbaden: klein und fein"

Kraftort Rettenbacher Wald – und ein Hoch auf die Fichte

Rettenbach liegt wunderschön an einem sonnigen Hang im Bayerischen Wald. Es ist ein kleiner Gemeindeteil von Sankt Englmar. Da es den Name „Rettenbach“ häufiger gibt, hier noch etwas genauer: es liegt im niederbayerischen Landkreis Straubing-Bogen.

Was hat mich denn hierhin verschlagen? Nun, wie so oft im Leben ein glücklicher Zufall. Von einem Bekannten erhielt ich den Tipp, unbedingt hier Urlaub zu machen und das wertvolle Wasser im Gut Schmelmerhof zu testen. Immerhin ist es lebendiges Berquell-Wasser: es kommt aus den Quellen oberhalb des Hotels direkt aus dem Wald.

Laut Wasser-Untersuchung vom IBBU Institut für Biosensorik und Bioenergetische Umweltforschung 03/12 wirkt das Wasser im bioenergetischem Sinne außerordentlich positiv auf Durchblutungs- bzw. Herz-Kreislauf-Probleme, Atemwegsprobleme (Bronchien/Nase/Lunge), Haut, Haare, Lymphsystem und rheumatische Beschwerden.

Die kleine Gemeinde Rettenbach nutzt komplett ihr eigenes Wasser und auch die Energie produziert sie selbst, so, dass davon sogar noch ins Fernnetz eingespeist werden kann. Das hat mich begeistert. Denn das funktioniert natürlich nur, wenn hier alle Bewohner an einem Strang ziehen.

Letztendlich kam es jedoch noch besser: das Hotel Gut Schmelmerhof hat sich ganz dem Waldbaden verschrieben und die Chefin des Hauses Caro hat sogar eine Ausbildung als Kursleiterin für Waldbaden.

Also nix wie hin, dachte ich 😊.

Rettenbach ist komplett von Wiesen umgeben, sodass es frei und licht in der Landschaft liegt. Doch nach wenigen Metern bergauf in Richtung Hirschenstein beginnt ein mystischer Wald mit moosbewachsenen Steinen und Felsen und erhabenen Fichten, dazwischen auch Tannen. Hier und da versucht sich eine Buche den Weg nach oben ins Licht freizukämpfen.

Die Ebereschen

Im Frühling verströmen die reichlich vorhandenen Ebereschen am Waldrand mit ihren lieblich anzuschauenden kleinen weißen Blütchen einen würzig-warmen Duft.

Rund um meine Lieblingsbank wachsen viele Ebereschen. Der Duft der Blüten umhüllt mich im Frühling.

Welch ein feiner Kontrast – dort gleich die großen Fichten mit ihren dunkelgrünen Nadeln – hier die feinen Ebereschen mit ihren filigranen hellgrün-leuchtenden Blättern. Während sie sich hier ihren Platz zum Wachsen selbst ausgesucht haben, pflanzten die Druiden sie ganz bewusst um ihre heiligen Versammlungsstätten herum. Einerseits, um diese Orte zu schützen, denn die Ebereschen galten als sakrale Schutzbäume, andererseits aber auch, um den Naturwesen eine Heimat zu geben. Denn so sagt man, die Naturwesen lieben die Ebereschen.

Eine kleine Meditation unter oder gegenüber einer Eberesche schenkt dir Inspiration und Lebenskraft.

Übrigens, die roten Beeren der Eberesche sind nicht giftig – irgendwie hält sich dieses Vorurteil hartnäckig. Man sollte sie jedoch zur besseren Verdauung zuerst kochen und dann zu Marmelade, Gelee, Kompott oder Schnaps verarbeiten. Roh kann man nur wenige essen, da sie Parasorbinsäure enthalten, die zu Übelkeit führen kann (ok … ein bisschen giftig :). Trocknen ist auch eine Möglichkeit, sie bekömmlich zu machen. Die Vögel lieben die Beeren sehr, sodass die Eberesche wohl auch den Namen “Vogelbeere” trägt.

Kraftort

Der Wald über Rettenbach ist ein Besonderer. Taucht man in ihn ein, wird man von den majestätisch anmutenden Fichten und einigen Tannen begrüßt. Man wird ganz ehrfürchtig bei diesem Anblick, jedoch ist es kein bedrohlich dunkler Wald. Natürlich ist es hierin dunkler als noch gerade am Waldrand, doch die Sonne findet ihren Weg durch die Zweige bis zum Boden und erzeugt eine fast festliche Stimmung. Am Boden treffen die Sonnenstrahlen zwar auch auf braune Nadeln und dunkle Walderde, doch noch mehr auf grünen Farn, Moos und Heidelbeersträucher.

Der Boden ist bedeckt von Steinen und kleinen Felsen, die vom Bewuchs grün schimmern. Die Wege im Wald, die fast senkrecht nach oben gehen, sind sehr steinig und lassen vermuten, dass es auch unter dem weichen Waldboden steinig ist. Doch die Fichten lassen sich nicht entmutigen, hier überall zu wurzeln.

Alle Wege führen nach oben

An Steinhaufen im Wald sammelt sich die Lebenskraft der Landschaft. Besonders dann, wenn diese mit Moosen überzogen sind und überall dazwischen immergrüne Bäume wachsen. Bäume und Felsen, sagt man in der Geomantie (siehe unter „Links“ am Ende des Artikels), sind Landschaftselemente, die eine hohe Vitalkraft beherbergen. Ist zudem genügend Wasser vorhanden, so wie hier in Rettenbach, sorgt dieses dafür, dass die Bäume gut versorgt sind und gesund wachsen können. Solche Orte wurden früher in vielen Kulturen aufgesucht, um die Natur zu verehren. Sie eignen sich hervorragend zum Meditieren und Entspannen. Als Dauerwohnsitz sind sie unterdessen nicht geeignet, was an vielen Kraftorten der Fall ist – dauerhaft zu viel Energie tut uns eben auch nicht gut.

Kraftort Wald: Steine mit Moosen und Farnen und immergrüne Bäume, wie hier die Fichten
Besondere Felsformationen beleben die Landschaft mit Vitalkraft

Die Fichte – ein starker Baum

Nicht nur in Deutschland, landauf, landab, hat die Fichte inzwischen einen miserablen Ruf bekommen.

Welch ein Unrecht!

Ja, sie stirbt auf großen Flächen ab und ist kaum zu retten. Da stehen sie, die grauen traurigen Baumstämme und schreien uns fast an: “Nein – nicht ich, die Fichte bin die Schuldige! Ihr habt mich nur all die Jahre missbraucht und nicht darauf gehört, was meine Bedürfnisse sind.”

Die Fichte mag es nicht warm und trocken. Doch wir haben das einfach ignoriert, und so wurde die Fichte überall als Brotbaum der Forstwirtschaft angepflanzt. Jetzt müssen wir die Rechnung dafür bezahlen (grundlegende Bedürfnisse sollte man nie unbeachtet lassen – auch nicht die eigenen…).

Hier in 800 Meter Höhe und mit viel Wasser im Boden ist die Fichte quietschfidel. Ich kann mich kaum an einen solche gesunden und robusten Fichtenwald erinnern. Es ist kein Vergleich, bei uns in den Niederungen bei nicht mal 200 Höhenmetern durch einen Fichtenforst zu spazieren und dagegen hier in der angenehmen Frische zwischen diesen Bäumen zu schlendern.

Viele kleine, wilde Bachläufe durchziehen die Landschaft

In Rettenbach beträgt die durchschnittliche tägliche Höchsttemperatur in der “warmen Jahreszeit” von Ende Mai bis Anfang September ca. 17°C. Bei uns in Hofheim am Taunus sind es bereits von Anfang Mai täglich ca. 4°C mehr. Das macht etwas aus.

Fichte oder Tanne

Auch hier im Rettenbacher Wald stehen mehr Fichten als Tannen.

Während die Fichten flachwurzelnde Bäume sind, haben die Tannen tiefe Pfahlwurzeln, die sie bei Stürmen widerstandsfähiger machen. Und die nun auch unter anderem dafür sorgen, dass man der Tanne in der Klimawandeldiskussion wieder mehr Beachtung schenkt.

Im Unterschied zu Tannennadeln sind die vierkantigen Fichtennadeln spitz und nicht flach.

„Die Fichte sticht, die Tanne nicht,“ …

… sagt ein bekanntes Sprichwort zum Unterschied von Tannennadeln und Fichtennadeln. Außerdem haben die Tannennadeln an der Unterseite zwei bläulich-weiße Längsstreifen (das schützt vor der Verwechslung mit jungen Eibentrieben). Hier konnten wir das Sprichwort an jungen Trieben wunderbar “testen”.

Oben Fichte unten Tanne an einem Ort

Gut unterscheiden kann man die beiden Bäume an ihren Zapfen: Fichtenzapfen wachsen zwar zunächst aufrecht, hängen jedoch nach der Befruchtung an den Ästen herunter. Tannenzapfen wachsen generell aufrecht und “stehen” auf den Zweigen. Das erkennt man auch von Weitem schon gut. Die Zapfen der Fichte fallen im Unterschied zur Tanne nicht schuppenweise vom Baum, sondern fallen nach Freisetzung der Samen als Ganzes auf die Erde und zerfallen erst dort. Deshalb findet man auf dem Waldboden keine Tannenzapfen, sondern Fichtenzapfen.

Kunstwerk mit Fichtenzapfen

Schutzbaum

Die Fichte galt in alten Kulturen als Schutz-, Lebens- und Mutterbaum. Sie soll schützende und lebenserneuernde Wirkung auf uns Menschen haben. In früheren Zeiten ließ man sich von der Fichte sogar Krankheiten abnehmen, inbesondere soll das bei  Erkältungen, Gicht und Rheuma gut gewirkt haben. So ging man zum Beispiel in den Wald und vergrub den Auswurf eines Hustens unter einer Fichte … das könnte man ja heute bei der nächsten Erkältung auch einfach mal ausprobieren.

Pfarrer Kneipp empfahl, bei Waldspaziergängen ab und zu ein etwa erbsengroßes Stück Harz zu kauen. Das sollte den gesamten Organismus stärken.

Aus dem Fichtenholz machte man früher Nadelholzteer – eine dicke, schwarzbraune Masse mit harzähnlichem Geruch. Pedanios Dioskurides (ein um 60 n.Chr. in Rom lebender griechischer Arzt , der mit seinem Werk “Materia medica“ als Pionier der Pharmakologie gilt) nannte es das „flüssige Pech“. Nadelholzteer wirkte vor allem entzündungshemmend, schwach keimtötend, sekretlösend sowie durchblutungsfördernd.

Nadelhozteer kennt man heute als “Wikingerfarbe” zum Schutz für Holzoberflächen 😊. Also diese bitte nicht einnehmen!

Arzneilich kann heute noch das Fichtennadelöl eingesetzt werden, das aus den Nadeln, Zweigspitzen oder kleinen Ästen durch Wasserdampf-Destillation gewonnen wird. Wichtigstes Anwendungsgebiet dabei sind Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege.

Jedoch auch hier gilt: die Dosis macht das Gift – zu viel ist nicht gut. Es kann dann zu Reizungen der Haut und Schleimhäute kommen. Auch Allergien sind möglich. Menschen mit Asthma bronchiale und Keuchhusten und Säuglinge sollten ganz darauf verzichten.

Pechsalbe

Heute wendet man gerne noch die sogeannte Pechsalbe, die aus dem Harz gewonnen wird, zur Pflege von schrundigen Waldarbeiter- und Gärtnerhänden an. Sie unterstützt zudem die Wundheilung und hat eine positive Wirkung bei Neurodermitis. Im Internet findest du Anleitungen zur Herstellung. Es ist gar nicht schwierig – nur beim Sammeln des Harz, das die Bäume selbst zum Wundverschluss dringend benötigen, bitte immer ganz achtsam vorgehen und nur wenig nehmen. Auf keinen Fall bis aufs Holz gehen und dabei gar eine neue Wunde aufreißen. Du kannst die Harzsalbe aber auch käuflich erwerben.

Das Harz der Fichte (oder anderer Nadelbäume) wird gerne auch Weihrauch des Waldes genannt.

Ganz ohne Harz oder Fichtennadeln kommen wir aus, wenn es um die “spirituellen” Qualitäten der Fichte geht. Ich genieße das sehr – Heilung ohne dem Baum Substanz wegzunehmen.

Der Weg nach Innen

Die Fichte weist uns den Weg nach Innen. Wir sollen nicht im Außen Erfüllung und Liebe suchen, sondern sie zeigt uns “die Quelle des Lichts und der Liebe in uns selbst…Im dunklen Raum alter Fichtenwälder ist es still und unser Sein sinkt darin bis auf den Seelengrund…Vieles kann gehen, was uns lange als Ballast begleitet hat und neuem Frieden und neuer Leichtigkeit Platz machen.” (Lingg, S. 119f, siehe unter Links).

Vertrauen

Die Fichte möchte uns Vertrauen lehren, sodass wir wieder an unser Urvertrauen anknüpfen können. Im Grunde genommen, können wir unser Leben ja nur vertrauensvoll leben – die Fichte will uns daran erinnern, dass wir nur selbst dieses Vertrauen in uns (wieder) erwecken können.

Die Botschaft der Fichte lautet: „Lass Vertrauen zu deinem grundlegenden Lebensgefühl werden.”

(Isabel Arends)

Gehe in den Fichtenwald ...

Mit diesem Wissen im Kopf, kannst du dich in einen Fichtenwald begeben. Auch, wenn er vielleicht etwas dunkler als “mein” Rettenbacher Fichtenwald ist, so denke immer daran, die Fichte will dich Vertrauen lehren. Also setze einen Fuß achtsam vor den anderen und finde deinen Ort an einer Fichte. Manchmal haben die Fichten sogar an ihrem Fuß einen Platz für dich vorbereitet.

„Nimm Platz“ sagt diese Fichte

Lass dich nieder, werde ganz ruhig und “schaue” nach Innen, ob du irgendetwas gehen lassen möchtest. Mache das aber nicht gewaltsam, lasse deine Gedanken ziehen und genieße den Schutz, die die Fichte dir gibt. Sie stärkt dir sanft den Rücken, sodass du auf eine “höhere” Führung vertrauen kannst. Vielleicht bist du vollkommen in deiner Mitte und alles ist gut.

Wenn du gehen möchtest, bedanke dich noch bei deiner Fichte, dass du dich ihr anvertrauen konntest und setze deinen Weg ruhig und gelassen fort.

Mit dieser ersten Erfahrung kannst du später, wenn dich ganz konkret etwas belastet direkt deine Fichte (oder eine andere) aufsuchen und nun bewusst den Ballast loslassen. Eine Gelinggarantie gibt es natürlich nicht, aber vielleicht spürst du doch zumindest ein klein wenig mehr Frieden in dir. Es ist gut, wenn wir solche Orte kennen, die uns immer wieder Kraft schenken.

In Rettenbach habe ich nun auch schon “meine besonderen Kraftorte” gefunden und ich freue mich, sie alle bald wieder zu besuchen. Bis dahin kann ich aber auch die Fichten bei uns aufsuchen. Was ebenfalls bestens funktioniert, eine Gedankenreise an den Ort zu machen, der etwas weiter von unserem Wohnort entfernt liegt. Nimm vielleicht einen Stein, der an deinem Kraftbaum lag, mit nach Hause, ein Stückchen Harz oder einfach ein Bild.

Daheim fühlst du den Stein in deinen Händen, riechst am Harz oder schaust dir das Bild an, dann schließe die Augen und begib dich auf eine Traumreise zu deinem Kraftbaum in der Ferne.

Mit jedem imaginären Besuch wird es dir schneller und besser gelingen, die Kraft des fernen Ortes auch bei dir zu Hause zu spüren.

Auch diese Fichte begibt sich auf eine Traumreise ….

Ein Fichtenbaum steht einsam

Im Norden auf kahler Höh.

Ihn schläfert; mit weißer Decke

Umhüllen ihn Eis und Schnee.

Er träumt von einer Palme,

Die, fern im Morgenland,

Einsam und schweigend trauert

Auf brennender Felsenwand.

Heinrich Heine (1797-1856)

Links, die weiterhelfen (unbezahlte Werbung)

Hotel Gut Schmelmerhof (mein ganz besonderer Tipp für erholsame Auszeiten mitten in der Natur – mit viel Herz)

Meine Kurse im Hotel Gut Schmelmerhof und dem Kraftwald Rettenbach: Senlin-Taiji

Kneipp – die Fichte Picea abies

Die Fichte – Waldwissen

Geomantie mit Rainer Padligur (mein Lehrer)

Bücher

Baumgefährten, Isabel Arends

Bäume und die heilende Kraft des Waldes, Adelheid Lingg

Die Heilkraft der Bäume, Andrea Huber

Die Natur als Kraftort, Guntram Stoehr

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